Le Charançon: Catalogues & Keys - Next Generation.

Seit 2009 arbeite ich im Rahmen der Publikation eines Katalogs der Makaronesischen (Kanaren, Madeira, Azoren, Kap Verden etc.) Rüsselkäfer mit Peter Stüben und Lutz Behne an einem neuen Konzept und der Implementierung eines Internet-Katalog-Systems, das den Aufbau von revisions sicheren entomologischen Art-Katalogen erlaubt.
Der klassische Weg ist es, einen Katalog herkömmlich auf Papier zu veröffentlichen. Der in diesen Tagen gerne gegangene Weg ist die Veröffentlichung eines Kataloges als Internet-Datenbank. Beides birgt jedoch zur Zeit zwei grundsätzliche Nachteile:

1) Aktualität bei Print-Katalogen
Wenn ein Katalog in einer Auflage von 200 Exemplaren gedruckt und ausgeliefert wird, ist er bereits am ersten Tag veraltet. Entweder haben sich schon Wochen nach der Veröffentlichung systematische, faunistische oder einfach taxonomische Fakten geändert oder wichtige neue Erkenntnisse sind hinzugekommen. In der Vergangenheit kennene besonders Entomolgen das Problem, wenn sie einen Katalog als Basis einer wissenschaftlichen Arbeit zu Rate ziehen und erkennen müssen, dass die Kataloge schlichtweg Unsinn enthalten. Und da Nachträge in den seltensten Fällen aus reinen Kostengründen nachgeliefert werden können - von der Zitierbarkeit einer Nachlieferung "im Internet" ganz zu schweigen - sind viele solcher Kataloge von Anfang an für den Papierkorb prädistiniert.

2) Aktualität bei Online-Katalogen
Die Variante, die das Problem der Druckkosten und der Aktualität versucht in den Griff zu bekommen, besteht im Publizieren eines Online-Katalogs. Sie haben viele Vorteile: Keine Seitenbegrenzung, Fotos und andere multimediale Medien können relativ kostengünstig in die Publikation integriert werden und die Ergänzungen können on-the-fly einfließen, sodass ein Katalog immer auf dem aktuellsten Forschungsstand sein kann. Und genau das ist das Problem: Wenn ein Student im Rahmen seiner Dissertation so einen Katalog zitiert, muss das Zitat nachvollziehbar sein. Was nützt es aber, wenn ich zwar weiß, dass der Link auf eine Online-Ressource vom Tag-X stammt - niemand jedoch nachvollziehen kann, welchen Informationsgehalt der Katalog am Tag-X nun enthielt. Online-Kataloge sind wie viele andere Datenbanken im Internet i.d.R. nicht zitierfähig.

Darüber hinaus ist es mir im Jahr 2010 unvorstellbar, weshalb Kataloge noch immer Bleiwüsten sein sollen. Natürlich bin ich noch ein Anachronist, und öffne lieber ein Buch als eine Datei. Aber nur, solange ich nicht Suche muss. Auch nützen mir in der Regel diese kleinen netten Bildchen überhaupt nichts, da Details auf einem im besten Falle A4-formatigen Foto in den seltensten Fällen ausreichen (wie sieht denn der Schenkelzahl genau aus? Ist er nun, wie der Autor behauptet nach hinten oder nach vorne gerichtet?).

Ich werde meine Ergebnisse und Lösungen für die grundsätzlichen und weitere Probleme im Speziellen, im Rahmen einer der wichtigsten Europäischen Curculionidologen-Konferenz im Frühling 2010 auf Zypern vorstellen.

Curculio-Institut - CURCI

EntoLab

Entolab ist eine Internet-Software, die Entomolgen in der Teamarbeit bei der Verwaltung und Analyse von Wissenschaftlichen Belegen unterstützt. Auf Grund des Le Charançon-Projekts habe ich in diesem Jahr allerdings weniger Zeit, dieses Projekt voran zu bringen.


Das Looser Universum

Manchmal muss man das Internet und die Art und Weise, wie eine ganze Generation von Menschen zu einer Meinung kommt einfach verachten. Weil das aber nicht sonderlich konstruktiv ist, habe ich mich vor einigen Jahren dazu entschlossen, darüber zu schreiben. Eigentlich nicht darüber, sondern explizit darin. Auch mich erwarten manchmal gruselige Gedanken, die kanalisiert werden wollen. So ist aber nicht grundsätzlich alles an den Haaren herbei gezogen - so wie im Richtigen Leben valide und invalide Fakten schön kombiniert werden, so tue ich das auch. In der Regel muss auch ich mich über mich selbst wundern. Aber das gehört per Definition in dieses Universum.

Looser Blog